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Entscheidung für Kanzlerkandidat Laschet sorgt für Skepsis

Erfurt/Berlin (dpa) – Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte hat das Votum der CDU-Spitze für Armin Laschet als Kanzlerkandidaten als «Entscheidung gegen die CDU-Basis» gewertet. Die Stimmung in Thüringen sowie in mehreren anderen Landesverbänden sei deutlich für CSU-Chef Markus Söder gewesen, sagte Hirte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Er gehe jetzt davon aus, dass Söder Laschet im Bundestagswahlkampf unterstütze. «Wir sind jetzt gut beraten, uns hinter Armin Laschet zu versammeln und uns auf Inhalte zu konzentrieren», sagte Hirte.

Es gehe in den kommenden Monaten darum, ob die Union oder die Grünen Kanzler oder Kanzlerin stellten. Großen Rückenwind für die Thüringer Landtagswahl, die zeitgleich mit der Bundestagswahl am 26. September geplant ist, erwartet Hirte sich von der Personalentscheidung nicht. «Die Wortmeldungen der Kreisvorsitzenden in Thüringen sprechen da eine deutliche Sprache.» 15 und damit die große Mehrheit hätten sich für Söder als Unions-Kanzlerkandidat ausgesprochen. Viele fühlten sich jetzt «vor den Kopf geschlagen».

In einer digitalen Sondersitzung der CDU-Spitze hatten in der Nacht zu Dienstag von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl 31 für eine Kandidatur Laschets gestimmt. 9 votierten für Söder, 6 enthielten sich. Söder erklärte am Dienstag, er werde, wie angekündigt, das klare Vorstandsvotum der CDU für ihren Parteichef Laschet akzeptieren und ihn ohne Groll und mit voller Kraft unterstützen.

Thüringens ehemaliger Ministerpräsident und CDU-Ehrenvorsitzender Bernhard Vogel sagte der «Thüringer Allgemeinen» (Online-Ausgabe), «ich bin heilfroh, dass die lähmende und ärgerliche Diskussion zu Ende ist». Am bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder habe ihn dessen «bemerkenswerter Hang zum Populismus» gestört, so Vogel. Nach seiner Meinung hätte Laschet seinen Anspruch auf die Kanzlerkandidatur deutlicher und früher erklären müssen.

Thüringens CDU-Landtagsfraktionschef Mario Voigt warnte die CDU in Ostdeutschland davor, mit Laschet weiter zu fremdeln. «Wahlen werden nicht alleine im Osten gewonnen, aber sie können im Osten verloren werden», sagte er der Zeitung.

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