Germanisches Nationalmuseum wird digital erfasst

Deutschlands größtes kulturhistorisches Museum, das Germanische Nationalmuseum, kann man bald von überall betreten, ohne dafür extra nach Nürnberg reisen zu müssen. Fachleute haben gerade die gesamte Dauerausstellung digital erfasst. Nun soll eine virtuelle Tour durch einen Museumsteil entstehen – aber auch ein virtueller Sprung von Nürnberg ins Deutsche Museum in München möglich sein, wie Projektleiter Benjamin Rowles erläutert.

Zwei Tage lang liefen Vermessungstechniker einer Spezialfirma mit einem Gerät, das in einem Gestell auf dem Körper getragen wird, alle Ausstellungsgebäude des Germanischen Nationalmuseums ab. In dem Gerät befinden sich zwei Laser und vier Kameras, die gleichzeitig 360-Grad-Aufnahmen machten, sagt Frank Dürr von der Firma Acameo. Dadurch sei es möglich, digitale Zwillinge der gesamten Räume mit allen Exponaten in 3D zu erstellen. Die Technik sei im Museumsbereich jetzt erst im Kommen, sagt Dürr. Das Germanische Nationalmuseum gehöre dabei zu den Vorreitern in Deutschland.

Rowles und sein Team wollen nun im Laufe des Septembers eine virtuelle Tour durch den Süd- und Südwestbau des Museums anbieten, der demnächst während der Sanierung mehrere Jahre geschlossen sein wird. Die Dauerausstellung beherbergt dort auf vier Etagen unter anderem eine der umfangreichsten Musikinstrumente-Sammlungen Europas. Per Computer, Smartphone oder aus dem 3D-Lab im Museum sollen Besucherinnen und Besucher sich trotzdem weiterhin darin umschauen können.

An einigen Stationen in der Tour werde es auch 3D-Modelle von Exponaten geben, an die man heranzoomen kann und die sich in alle Richtungen drehen lassen. Etwa 40 Objekte seien dafür inzwischen gescannt, sagt Rowles. «Wir werden das sukzessive erweitern.» Von der virtuellen Tour im Germanischen Nationalmuseum werde man außerdem in eine virtuelle Tour des Deutschen Museums in München springen können, das mit den Nürnbergern in dem Projekt zusammenarbeitet. «Man kann sich dort zum Beispiel die Mechanik der Musikinstrumente anschauen und bei uns deren Kulturgeschichte», sagt Rowles.