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Genzel lobt europäische Kooperation in der Wissenschaft

Garching (dpa) – Physik-Nobelpreiträger Reinhard Genzel legt große Hoffnungen in den Bau des neuen Riesenteleskops in Chile – des European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit einem Spiegeldurchmesser von etwa 40 Metern. «Damit hoffen wir dann, nochmal bessere Messungen machen zu können», sagte der Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Ausdrücklich lobte Genzel die Europäische Südsternwarte (Eso), deren Very Large Telescope (VLT) er für seine nun ausgezeichnete Forschung genutzt hat: Sie sei ein wunderbares Beispiel für die europäische Zusammenarbeit, trotz aller Krisen: «Glauben Sie’s oder nicht: Die Briten sind immer noch in der Eso drin, trotz Brexit», sagte er lachend.

Genzel nannte Deutschland und Europa als Forschungsstandorte auch jenseits der Astrophysik «bemerkenswert – durch die Struktur, durch die Verlässlichkeit des Fundings, durch die Möglichkeiten, Risiken einzugehen. Das amerikanische System ist ja ein hochkapitalistisches System, in dem man sozusagen in einem Jahr jubeln kann und im nächsten kann man seine Doktoranden nicht mehr bezahlen.» An einem angesehenen Forschungsinstitut hätten Top-Kollegen über fehlende finanzielle Mittel in den letzten drei Jahren geklagt.

Auf die Frage, worauf man hierzulande achten müsse, antwortete Genzel: «Ganz wichtig ist: Leute, es hilft nix. Man muss arbeiten. Und von nix kommt nix.» Man müsse aufpassen, dass man angesichts der derzeit sehr guten Situation nicht einschlafe, «weil’s so schön ist».