Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Parteivorsitzender und Bundesratsvizepräsident., © Kay Nietfeld/dpa

Debatte um Zukunft der Corona-Isolationspflicht hält an

Mehrere Politiker der FDP haben sich für ein Ende der Corona-Isolationspflicht ausgesprochen. Eine Diskussion darüber sei richtig, sagte FDP-Vize Wolfgang Kubicki den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Aus meiner Sicht ist es sowohl epidemiologisch als auch aus Gründen der Eigenverantwortung überfällig, den Menschen diese Entscheidung wieder zu überlassen – so, wie es andere europäische Länder schon längst getan haben.»

Ähnlich äußerte sich FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai. Er warnte vor Personalausfällen durch Isolationspflichten. «Wir werden in systemrelevanten Bereichen vor enormen Herausforderungen stehen, wenn wir massenhaft positiv Getestete ohne Symptome in die Isolation schicken», sagte er der «Rheinischen Post».

Am Wochenende hatte sich bereits der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, für eine Aufhebung aller Corona-Isolations- und Quarantänepflichten ausgesprochen. Diese sollten «bis auf weiteres aufgehoben werden, dadurch würde die Personalnot vielerorts gelindert», sagte Gassen der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Wer krank sei, solle zu Hause bleiben. «Wer sich gesund fühlt, geht zur Arbeit.

Wichtige Debatte

Mit dem Vorschlag stoße Gassen eine wichtige Debatte an, sagte die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Durch Impfungen seien viele Menschen vor schweren Verläufen geschützt.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Saskia Weishaupt plädierte dagegen für ein Festhalten an den Regeln. Wenn Menschen zur Arbeit gingen, sollten sie nicht der Gefahr ausgesetzt sein, sich anzustecken, sagte sie der Funke Mediengruppe. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) machte bereits am Wochenende klar, dass er nichts von dem Vorschlag hält. «Infizierte müssen zu Hause bleiben. Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen noch mehr, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko», schrieb er auf Twitter.

Auch der Vorsitzende des deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, sprach sich gegen eine Änderung der bestehenden Isolations- und Quarantäneregeln aus. «Meiner Ansicht nach sollten wir bei den aktuellen, vernünftigen Regeln bleiben, die ja bereits die Isolationsdauer auf fünf Tage verkürzt haben. Wer einen positiven Test hat, sollte einige Tage zu Hause bleiben, auch wenn er sich ganz gut fühlt», sagte Weigeldt der «Welt». Dies gelte natürlich umso mehr, wenn man im medizinischen Bereich arbeite.

Lehrerverbände in Sorge

Mehrere Lehrerverbände haben sich derweil gegen ein Ende der Isolationspflicht ausgesprochen. «Die Selbstisolation jetzt aufzugeben, käme bei den aktuellen Infektionszahlen einer Durchseuchung gleich», sagte der Vizevorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Gerade in Lehrerzimmern bestehe die Gefahr von Ansteckungen in großer Zahl, was zu Schulschließungen führen könnte, warnte er. «Das kann nicht das Ziel sein.»

Auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RND: «Wenn alle Quarantäne- und Schutzmaßnahmen aufgegeben werden und sich Infektionen ungehindert ausbreiten können, besteht die Gefahr, dass sich der bestehende Lehrkräftemangel so verschärft, dass das Kartenhaus Schule endgültig zusammenbricht.» Die ohnehin angespannte Personalsituation an Schulen habe sich durch die Corona-Pandemie «unerträglich zugespitzt».

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, mahnte, im Fall einer Aufhebung von Quarantäne- und Isolationsvorgaben wäre in Kombination mit anderen Faktoren im Herbst eine so große Infektionswelle an Schulen zu befürchten, «dass der Schulbetrieb ernsthaft gefährdet sein könnte».

Derzeit gilt für die allgemeine Bevölkerung, dass die vorgeschriebene Isolation für Corona-Infizierte nach fünf Tagen enden kann – mit einem «dringend empfohlenen» negativen Test zum Abschluss.