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Erfolg im Kampf ums Überleben der Flussperlmuschel

Regnitzlosau (dpa) – Naturschützer kämpfen in Bayern um das Überleben der Flussperlmuschel – die neue Zuchtstation in Oberfranken verzeichnet nun erste Erfolge: Ende 2018 seien dort rund 3000 Muscheln geerntet worden, sagte Projektleiter Wolfgang Degelmann vom Bund Naturschutz. Derzeit laufe der zweite Erntezyklus.

Die Flussperlmuschel gilt in Deutschland seit Jahren als vom Aussterben bedroht. Im September ging die Zuchtstation in Regnitzlosau (Landkreis Hof) in Betrieb. In einem zweiten Projekt in Passau wurden laut Umweltministerium bislang 650 Jungmuscheln in zwei Gewässer ausgesetzt. 2000 Tiere seien derzeit in Aufzucht.

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) betonte, dass der Schutz der Flussperlmuschel eine lange Tradition im Freistaat habe. «Über 90 Prozent des deutschen Gesamtbestandes der Flussperlmuschel lebt in Bayern. Dafür übernehmen wir Verantwortung», teilte er mit.

Die Aufzucht funktioniert über Bachforellen als Wirtstiere, deren Kiemen mit den Larven infiziert werden. Dort bleiben die mikroskopisch kleinen Larven, bis die Verhältnisse in ihrer Umgebung optimal sind – und fallen dann einfach ab.

In der Zuchtstation in Oberfranken sammeln die Naturschützer derzeit die abgefallenen Jungmuscheln vom Becken der Fischbehälter auf, um sie in kleinen Gefäßen zu ernähren und zu pflegen. In ein paar Jahren sollen sie dann in die Bäche ausgesetzt werden, wie Degelmann erklärte. Anfangs haben die Jungmuscheln eine Größe von 0,1 Millimeter – ausgewachsen sind sie so groß wie ein Daumennagel.

In den Gewässern, die das tschechische Böhmen, Sachsen und Bayern verbinden, gibt es nach Angaben des Wasserwirtschaftsamts Hof eines der größten Vorkommen der bedrohten Flussperlmuschel in Mitteleuropa. Das Problem ist, dass viele Bäche den Tieren keine komfortable Heimat mehr bieten. Unter anderem sei zu viel Dreck im Wasser, erklärte Degelmann. Der werde bei Starkregen von den Äckern in die Bäche gespült. Zudem mangelt es der Muschel an Nahrung. Sie ernährt sich von Bakterien auf abgestorbenen Pflanzenteilchen. An den Bachbetten gebe es aber immer weniger Grasland, sagte Degelmann.

Mit der Aufzucht der Flussperlmuscheln in Oberfranken wollen die Naturschützer in Zusammenarbeit mit tschechischen Partnern Zeit gewinnen, um die Situation der Bachbetten zu verbessern.

Die Muscheln seien ein wichtiger Indikator für gute Wasserqualität und ein intaktes Ökosystem, erklärte Minister Glauber. «Ziel ist es, in unseren Gewässern wieder für stabile Populationen der Flussperlmuschel zu sorgen.» Die Aufzuchtstation in Passau arbeite schon erfolgreich – in Oberfranken sei das Projekt vielversprechend angelaufen. «Der Schutz der Flussperlmuschel soll ein Erfolgsprojekt werden.»