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Jugendherbergen in Bayern kämpfen um die Existenz

Nürnberg (dpa/lby) – Den bayerischen Jugendherbergen droht wegen Einbußen von rund 60 Prozent in der Corona-Pandemie die Schließung einzelner Häuser. Das gab Verbandspräsident Klaus Umbach am Freitag in Nürnberg bekannt. Der Landesverband Bayern des Deutschen Jugendherbergswerkes betreibe derzeit 42 Häuser in Eigenregie, 16 weitere würden von Partnern betrieben. «Wir müssen alle Standorte auf den Prüfstand stellen und sehen, wie sich die Situation entwickelt», sagte Umbach. In Bayerisch-Eisenstein (Landkreis Regen) und Haidmühle (Landkreis Freyung-Grafenau) schließen zwei Häuser im Oktober, allerdings fiel dort die Entscheidung bereits vor den coronabedingten Einschränkungen.

Die Übernachtungszahlen seien vor allem wegen des Wegbleibens von Schulklassen und Vereinen eingebrochen. Der Landesvorstand gehe in diesem Jahr von 400 000 Übernachtungen in den 42 selbstbetriebenen Jugendherbergen aus, sagte Vorstandsmitglied Winfried Nesensohn. «Im vergangenen Jahr waren es eine Million», betonte er. Dabei sei es angesichts der Corona-Entwicklung nicht einmal sicher, ob die Prognose gehalten werden könne – vor allem in den Großstädten.

Das durch die Corona-Krise in den Kassen gerissene Loch sei durch Beihilfen aus dem sozialen Rettungsschirm des Freistaates in Höhe von 5,8 Millionen Euro geschlossen worden. Zum Jahresende müsse ein Bankkredit in Höhe von weiteren fünf Millionen Euro in Anspruch genommen werden.

Der Landesverband geht davon aus, dass auch 2021 kein «normales Jahr» für die Jugendherbergen wird, hofft aber, über die Runden zu kommen. Der Neubau einer Jugendherberge in Regensburg mit einem Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro sei bis auf weiteres aufgegeben worden. Neubau und Sanierung des Standortes München City werden dagegen wie geplant vorangetrieben. Das Haus soll Mitte nächsten Jahres öffnen.

Umbach, Nesensohn und dessen Vorstandskollege Michael Gößl riefen die bayerische Staatsregierung auf, Klassenfahrten spätestens vom Frühjahr nächsten Jahres an wieder grundsätzlich zu erlauben. Die Entscheidung, ob eine Klassenfahrt stattfinde, solle nicht mehr zentral vom Kultusministerium getroffen werden, sondern dezentral von den Schulleitungen. «Die Jugendherbergen sind sicher», sagte Umbach. Die Hygienekonzepte seien genauso streng wie in den Schulen, das Platzangebot aber sogar größer, betonte er.

Schulklassen machen in normalen Jahren zwei Drittel der Gäste in Bayerns Jugendherbergen aus. Die Buchungen aus diesem Segment seien extrem zurückgegangen. Auch die Grünen im Bayerischen Landtag forderten Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag auf, Klassenfahrten wieder zu ermöglichen. Es gehe neben der Vermittlung von Schulstoff auch um die Entwicklung der sozialen Kompetenz bei Kindern. Die Wiederaufnahme könnte nebenbei die existenziellen Nöte der Jugendherbergen lindern helfen, sagte der Grünen-Bildungspolitiker Thomas Gehring.