© Karl-Josef Hildenbrand

Delta-Variante breitet sich aus: Schwerpunkt München

München (dpa/lby) – Die hoch ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Bayern zunehmend aus. Die mit Abstand meisten registrierten Fälle gibt es in München. Der Statistik des Landesamtes für Gesundheit (LGL) zufolge wurden bis Samstag (3. Juli) 170 Delta-Fälle in der Landeshauptstadt festgestellt. Bis 1. Juni waren es noch 29 Fälle gewesen. Bayernweit stieg die Zahl der Delta-Fälle allein im Juni von 95 auf 481.

Zu berücksichtigen sei, dass nicht alle positiven Coronatests daraufhin ausgewertet würden, um welche Virusvariante es sich handelt, zum Beispiel weil die Menge des Virusmaterials für eine Gesamtgenomsequenzierung nicht ausreicht, erläuterte ein LGL-Sprecher.

Zudem gebe es eine Zeitverzögerung, da es sich um ein aufwendiges Laborverfahren handele: Teilweise werde den Behörden zunächst lediglich ein positives Testergebnis mitgeteilt und die konkrete Auswertung der Variante nachgemeldet. Bei mehreren Tausend PCR-Testergebnissen gebe es Hinweise darauf, dass es sich um eine Variante handelt – ohne Spezifizierung, welche Variante es ist.

Nicht nur in großen Städten wie München, Nürnberg oder Augsburg wird die Delta-Variante inzwischen häufiger festgestellt, sondern auch in ländlichen Regionen wie zum Beispiel in den Landkreisen Kitzingen, Ostallgäu, Aschaffenburg und Ebersberg. Mancherorts waren laut LGL-Tabelle bis Mittwoch keine Delta-Fälle bekannt, etwa in Bayreuth, Kempten, Straubing sowie den Landkreisen Lichtenfels und Hof.

Die Delta-Ausbreitung in München dürfte unter anderem an der dichteren Besiedelung liegen. Je mehr Menschen, desto mehr Ansteckungen seien möglich, sagte der LGL-Fachmann. Umso höher sei folglich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Infektionsfällen Virusvarianten fänden.

Die Delta-Variante des Coronavirus wurde erstmals in Indien festgestellt und gilt als besonders ansteckend. Virologe Christian Drosten hatte kürzlich von ersten Hinweisen darauf berichtet, dass Menschen, die mit der Delta-Variante infiziert sind, eine noch höhere Viruslast haben als Infizierte mit der Alpha-Variante. Zudem gebe es Signale, dass Delta etwas schwerere Verläufe verursache, so Drosten.

Eine zweifache Impfung soll einen guten Schutz vor schweren Erkrankungen nach einer Infektion mit der Delta-Variante des Coronavirus bieten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geht – wie er bei verschiedenen Veranstaltungen sagte – davon aus, dass die Delta-Variante bald das Infektionsgeschehen in Bayern bestimmen wird.

Am Sonntag betonte Söder die Bedeutung des Impfens im Kampf gegen die Delta-Variante. «Die Stiko sollte dringend überlegen, wann sie das Impfen von Jugendlichen empfiehlt», schrieb er am Sonntag auf Twitter. Das würde den Schutz für alle erhöhen und einer Generation, die auf viel verzichten musste, wieder Freiheiten zurückgeben.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen. Das Gremium begründete seine Empfehlung unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei.

© dpa-infocom, dpa:210703-99-244236/3