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Busfahrer in Bayern streiken für höhere Löhne

München (dpa/lby) – Ein Warnstreik im öffentlichen Personennahverkehr hat am Freitag in sechs bayerischen Städten und Landkreisen den Busverkehr weitgehend lahmgelegt. In Aschaffenburg, Würzburg, Coburg, Freising, Kaufbeuren und dem Donau-Ries-Kreis hatte die Gewerkschaft Verdi Busfahrer bei privaten Unternehmen, die im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt werden, zum Warnstreik aufgerufen. Silke Vorpahl, Verhandlungsführerin von Verdi, sah die Warnstreiks als Erfolg. Man habe die Gegenseite «kalt erwischt». Auch mit der Beteiligung zeigte sie sich äußerst zufrieden.

In Aschaffenburg und Coburg gab es laut Verdi zudem Solidaritätsstreiks der kommunalen Busfahrer. Teilweise ließen Kommunen auch die eigenen Busse im Depot. Sonst hätte die Gefahr bestanden, dass die wenigen noch fahrenden Busse überfüllt sind, was angesichts der Corona-Pandemie vermieden werden sollte, hieß es.

In Freising und dem Landkreis Donau-Ries endete der Warnstreik laut Verdi bereits um 10.00 Uhr, in den anderen Städte sollte er bis Dienstende gehen. Einer Gewerkschaftssprecherin zufolge waren insgesamt rund 300 bis 320 Busfahrer beteiligt.

In Aschaffenburg war Verdi-Vertreter Gerald Burkard «sehr zufrieden» mit der Beteiligung. In Würzburg und Coburg sei gar kein Bus unterwegs gewesen. Die Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH bestätigte, es sollte den ganzen Freitag keinen Omnibusverkehr in der Stadt geben.

Der Tarifvertrag für 17 000 Busfahrer in Bayern läuft Ende Oktober aus. Verdi fordert 3,50 Euro mehr Stundenlohn – das entspricht bei Stundenlöhnen von 13 bis 14 Euro einer Lohnerhöhung von 30 Prozent. Der Landesverband der Omnibusunternehmen (LBO) mit seinen 1000 Mitgliedsbetrieben will erst im Januar mit Verhandlungen beginnen.

LBO-Geschäftsführer Stephan Rabl sagte: «Wir stehen grundsätzlich Lohnerhöhungen nicht im Wege.» Aber derzeit sei annähernd ein Viertel der Busfahrer in Kurzarbeit. Im öffentlichen Nahverkehr gebe es weit weniger Fahrgäste als vor der Krise. Im Tourismusgeschäft sähen die Busunternehmen «weiterhin kein Land»: Veranstaltungen und Reisen über die Grenze fehlten, im Reiseverkehr stünden drei Viertel der Busse.