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Bischof sieht Corona als Beschleuniger und Zerstörer

Würzburg (dpa/lby) – Die Auflagen in der Corona-Pandemie haben die Arbeit in den Kirchgemeinden nach Ansicht des Würzburger Bischofs Franz Jung nachhaltig beeinflusst – positiv wie negativ. «Der Rückgang des Gottesdienstbesuches wurde beispielsweise durch die Corona-Einschränkungen beschleunigt», sagte Jung der Deutschen Presse-Agentur. «Vor allem ältere Gemeindemitglieder ziehen es seit den Streaming-Angeboten vor, von zuhause aus den Gottesdiensten zu folgen.»

Die Kontaktbeschränkungen beeinträchtigten zudem das Engagement vieler Gläubiger. «Wir spüren die empfindlichen Einbrüche bei der Ministranten- und Jugendarbeit, die Schwierigkeit der Gremien, unter Corona-Bedingungen nur über Video zu kommunizieren, und müssen mit Bedauern die Auflösung nicht weniger Kirchenchöre zur Kenntnis nehmen.»

Schwer sei es zudem derzeit, gefährdete Menschen seelsorgerisch zu begleiten. «Hier stehen nachvollziehbare Hygiene-Standards, die leider zu totaler Isolierung von Patienten oder Heimbewohnern führen, im Gegensatz zum Wunsch nach Betreuung und Fürsorge», sagte Jung.

Andererseits wirke die Pandemie als Beschleuniger, «der Entwicklungen nur rascher vorantreibt, die schon längst im Gange waren oder sind». Coronabedingt habe dich Kirche in Sachen Digitalisierung nachgerüstet. «Wir sind noch dabei zu entdecken, welche Möglichkeiten die neuen Medien bieten für die Verkündigung und für verschiedene Formen von Gottesdiensten jenseits der Eucharistiefeier.» Insofern habe die Pandemie einen wichtigen Anstoß gegeben, über neue Formen kirchlicher Präsenz in der Öffentlichkeit nachzudenken.

Jung bedauerte darüber hinaus die «ungeheure Polarisierung zwischen Impfbefürwortern und Impfgegnern». Dies gehe auch an der Kirche nicht spurlos vorüber. «Das ist sehr unschön. Als Christen sollten wir die Pandemie als Einladung begreifen lernen, durch solidarisches und verantwortungsbewusstes Handeln zum Zusammenhalt der Gesellschaft beizutragen.»

Würzburg ist eines von sieben Bistümern in Bayern und liegt im Norden des Freistaats. Es gehört zur Kirchenprovinz der Erzdiözese Bamberg. Etwa 700.000 der rund 1,3 Millionen Einwohner, die auf dem Gebiet des Bistums leben, sind Katholiken.

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