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Hohe Nachfrage und Fachkräftemangel: Handwerk unter Druck

München (dpa/lby) – Die Stimmung unter den bayerischen Handwerkern ist trotz des Brexits und der sich eintrübenden Konjunktur nach wie vor gut – auch wenn sich ein Ende des starken Wachstums allmählich abzeichnet. Im abgelaufenen vierten Quartal machte die Branche einen Umsatz von rund 34,8 Milliarden Euro und damit knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte die Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) am Mittwoch in der Landeshauptstadt mit.

Im Gesamtjahr stieg der Umsatz nominal, also inklusive Inflation, um 6,6 Prozent auf knapp 121 Milliarden Euro. «Ich möchte allerdings nicht unerwähnt lassen, dass ein nicht unerheblicher Teil des Umsatzwachstums auf Preissteigerungen zurückzuführen ist», sagte der Präsident der HWK sowie des Bayerischen Handwerkstages, Franz Xaver Peteranderl, bei der Präsentation der Ergebnisse.

Angesichts der vollen Auftragsbücher und einer hohen Auslastung könne der Aufschwung keinen weiteren Schub mehr entfalten. Allein für die Münchner und oberbayerischen Betriebe lag die Auslastung laut HWK im vierten Quartal bei 81 Prozent – ein Prozentpunkt weniger als noch vor einem Jahr. Im gesamten Freistaat lag die Quote demnach unverändert bei 82 Prozent. «Die durchschnittliche Auslastung scheint damit kaum mehr steigerungsfähig», sagte Peteranderl.

Im Schnitt mussten Kunden im vierten Quartal demzufolge rund 9,1 Wochen auf einen Handwerker warten – mehr als eine Woche länger als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In München und Oberbayern hätten die Handwerker Aufträge für die nächsten 8,1 Wochen in den Büchern. «Ein solcher Jahresendwert wurde in einem vierten Quartal übrigens noch nie erreicht», sagte Peteranderl.

Wegen des Fachkräftemangels kommen die Betriebe der hohen Nachfrage kaum noch hinterher. Auch deshalb rechnet die HWK für das laufende Jahr mit einem etwas schwächeren Umsatzwachstum von 4 Prozent. Rund 935 700 Menschen waren im vierten Quartal im bayerischen Handwerk tätig – rund ein Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum. «Ein deutlicheres Plus wäre ohne Frage möglich gewesen, doch der leergefegte Fachkräftemarkt gab das nicht her», sagte Peteranderl.

Um das Handwerk wieder attraktiver zu machen, fordern Gewerkschaften schon lange eine Mindestvergütung für Auszubildende. Auch in der Bundesregierung gibt es solche Pläne. Peteranderl sieht das Vorhaben jedoch kritisch. Er fürchte, dass das duale Ausbildungssystem dadurch geschädigt werde. Die Mindestvergütung sei ein «massiver Eingriff in die Tarifautonomie der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften».

Auch die globalpolitische Situation bereitet der HWK Sorgen. Von einem möglichen No-Deal-Szenario beim Brexit sei das bayerische Handwerk zwar nicht unmittelbar betroffen. Doch als Zulieferer und Dienstleister für die exportorientierte Industrie würde die Branche zumindest indirekt leiden, wenn dort Aufträge wegbrächen.