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Bahn: Brenner-Nordzulauf östlich des Inns, mit viel Tunnel

Rosenheim (dpa/lby) – Bunte Waggons rollen durch eine grüne Voralpen-Landschaft, tauchen in Tunnel ein. Bis dieses Szenario aus einer Animation der Deutschen Bahn (DB) Wirklichkeit ist, werden noch zwei Jahrzehnte vergehen. Fest steht aber nun, wo die Gleise durch das bayerische Inntal Richtung Brenner gebaut werden sollen: Der Zubringer zum künftigen Brenner Basistunnel soll östlich von Rosenheim und Inn verlaufen, wie die Bahn mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und den Österreichischen Bundesbahnen am Dienstag mitteilte. Ein Großteil der Strecke soll unterirdisch sein.

Die Bahn wählte aus zuletzt vier Varianten für einen möglichen Gleisverlauf die aufwendigste, aber auch die für Anwohner und Landschaft verträglichste. 60 Prozent der 54 Kilometer langen, in den Plänen violett gezeichneten Trasse sollen untertunnelt werden. Die anderen Varianten – gelb, türkis und oliv – wären westlich des Inns verlaufen. Eine weitere Variante war zuvor als nicht raumverträglich eingestuft worden.

Scheuer sprach von einem sehr wichtigen Tag für ein «europäisches Jahrhundertprojekt». Es gehe darum, möglichst viele Güter von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Ziel sei neben mehr Klimaschutz und einem besserem Nah- und Fernverkehr auch der maximale Schutz von Anwohnern und Natur. Erste Priorität sei «nicht allein der spitze Bleistift».

Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel sprach von einem großen Meilenstein für das Projekt. Die gewählte Trasse sei die verträglichste Variante mit der größten Akzeptanz.

Die Autobahn soll ebenso unterquert werden wie der Inn im Süden. Damit seien Vorschläge aus der Region berücksichtigt, hieß es. Vertreter aus der Region sehen in der Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung, aber auch noch viel Verbesserungsbedarf.

Ob ein Bedarf für den Neubau in Deutschland besteht, ist weiter strittig. Scheuer sagte, der Bundestag habe das Projekt 2016 als vordringlich – mit höchster Priorität – in den Bedarfsplan Schiene aufgenommen. Damit sei der Ausbaubedarf für die Strecke gesetzlich verankert. Zudem verwies Scheuer auf eine Szenarienstudie für 2050. Es gebe somit «kein vielleicht und kein ob, sondern ein wie».

Scheuers bayerische Amtskollegin Kerstin Schreyer sagte hingegen, ob es einen Bedarf für einen Neubau gebe, sei immer noch nicht klar. Die Szenarien-Studie aus Berlin belege das nicht. Weitere Verkehrsprognosen seien abzuwarten. Der hohe Tunnelanteil der Trasse entspreche aber bayerischen Forderungen. Es müsse weiter um maximale Anwohnerfreundlichkeit und möglichst hohen Lärmschutz gehen.

Bürgerinitiativen kämpfen seit Jahren gegen das Vorhaben. Sie fürchten Lärm, noch mehr Verkehr und eine Verschandelung der Landschaft. Sie favorisieren den Ausbau und die Modernisierung der bestehenden Gleise. Der Bund Naturschutz teilte mit, mehr Güter auf die Schiene seien zwar grundsätzlich richtig, in diesen Fall aber gebe es enorme Kosten und Folge für Mensch und Natur.

Die Kosten werden auf etwa sieben Milliarden Euro geschätzt. Bei der weiteren Vorplanung erarbeiten Ingenieure nun Details. Etwa Mitte der 2020er Jahre soll der Bundestag über die konkrete Umsetzung entscheiden. Etwa 2040 sollen dann erste Züge Richtung Brenner Basistunnel rollen, an dem derzeit in Österreich und Italien gebaut wird und der etwa zehn Jahre früher fertig werden könnte.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mahnte Anreize für den Umstieg auf die Schiene an. «Bundesregierung und Deutsche Bahn müssen endlich dafür sorgen, dass die Schiene im Vergleich zur Straße für den Gütertransport attraktiver wird. Sonst würden künftig trotz neuer Bahntrassen die meisten Gütertransporte wie jetzt über die Autobahn rollen.» Nach Scheuers Angaben ist dazu bereits ein ganzes Paket an Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Für die Bevölkerung im Inntal werde wahrscheinlich ein «plus plus» dazukommen, «was die Region möchte», sagte Scheuer. Etwa werde eine unterirdische Verknüpfungsstelle für die alten und neuen Gleise bei Niederaudorf geprüft – eine Forderung aus der Region, aber auch unter anderem von CSU und Freien Wählern im bayerischen Landtag.

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