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Anklage verlangt Haftstrafen in Miesbacher Amigo-Affäre

München (dpa/lby) – Wein floß in Strömen, man aß gut und übernachtete in Fünf-Sterne-Hotels: Über Jahre sollen Funktionäre der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee Kommunalpolitiker und Verwaltungsräte großzügig gesponsort und so Gelder veruntreut haben. Akteure der Affäre stehen seit Oktober 2018 wegen Untreue sowie Vorteilsnahme beziehungsweise Vorteilsgewährung vor dem Landgericht München II. Nun hat die Staatsanwaltschaft für drei Angeklagte Haftstrafen zwischen acht Monaten und zweieinhalb Jahren verlangt.

Für den früheren Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme forderte Oberstaatsanwalt Jürgen Rohrmüller am Montag zweieinhalb Jahre Haft. Damit würde der Ex-Vorstandschef hinter Gittern landen – dabei hatte im Verlauf des Prozesses schon im Raum gestanden, dass alle Angeklagten mit Bewährungsstrafen davonkommen könnten.

Für den einstigen CSU-Landrat und Verwaltungsratsvorsitzenden der Kreissparkasse, Jakob Kreidl, plädierte Rohrmüller auf ein Jahr und vier Monate Haft auf Bewährung. Er hielt Kreidl zugute, dass er die Vorwürfe eingeräumt und sich entschuldigt hatte. Bromme habe das nicht getan und seinen Part teils «kleingeredet». Für den dritten Angeklagten forderte der Ankläger acht Monate Haft auf Bewährung. Die Männer sollen zudem mit Zahlungen von 8000 bis 25 000 Euro dazu beitragen, den Schaden der Bank wiedergutzumachen. Das Verfahren gegen einen vierten Mann war im Februar mit einer Verwarnung beendet worden. Mehrere Beschuldigte hatten zudem Strafbefehle erhalten.

Über Jahre soll die Sparkasse zur «allgemeinen Klimapflege» teure Reisen, Einladungen und Geschenke für Kommunalpolitiker und Verwaltungsräte mitfinanziert haben. Etwa reisten Bürgermeister teils mit Ehepartnern zu einer «Informationsfahrt» nach Interlaken, ein Highlight war eine Gondelfahrt unter dem Titel «James-Bond-Ausflug».

Als krönender Abschluss eines «Kooperationsseminars» wiederum wurden Kommunalpolitiker nicht nur aus Bayern, sondern auch aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz zum Entenessen auf der Weißachalm bei Kreuth eingeladen. Das sei nicht mit Werbemaßnahmen zu rechtfertigen gewesen – zumal die Geladenen nicht einmal aus dem Einzugsgebiet der Bank kamen. «Die Sparkasse hatte davon nichts», sagte Rohrmüller. «Das Entenessen hatte vornehmlich privaten Charakter.» Bromme sei eben gerne als «Wohltäter» aufgetreten, zitierte der Ankläger eine Zeugin. Kreidl wiederum habe den Dank der Gäste entgegengenommen.

Die Bank finanzierte darüber hinaus weitere Fahrten, Geschenke und eine Geburtstagsparty mit, Bromme unterstützte sogar den Tiroler Jagdschützenverein. Nach Ansicht der Anklage entstand insgesamt ein Schaden von rund 300 000 Euro – den sie weitgehend den beiden Hauptverantwortlichen Bromme und Kreidl anlastet. Der dritte Angeklagte habe eher einen «untergeordneten Beitrag» geleistet.

Die Ertragslage der Bank habe sich womöglich nicht zuletzt in Folge des Sponsorings ab etwa 2010 deutlich verschlechtert. Das Geldhaus sei am Ende «bayerisches Schlusslicht gewesen», sagte Rohrmüller.

Zu Beginn des Prozesses war die Anklage von einem Schaden von 1,25 Millionen Euro ausgegangen. Mehrere Tatkomplexe wurden aber nicht mehr verfolgt. Etwa die teure Party zu Kreidls 60. Geburtstag im Jahr 2012 ist nicht mehr Gegenstand des Verfahrens. Danach war die Affäre ins Rollen gekommen. Anfang 2015 gab es eine Razzia in 27 Wohnungen und Geschäftsräumen, darunter auch Kreidls und Brommes Privathäuser.