© Matthias Balk

Aiwanger gegen Demoskopen: Bundestagseinzug in «Griffweite»

München (dpa/lby) – Obwohl alle Umfragen dagegen sprechen, hat Freie-Wähler-Vorsitzender Hubert Aiwanger die Hoffnung auf den erstmaligen Einzug in den Bundestag bei der Wahl am Sonntag nicht aufgegeben. «Ich habe noch nie vor einer Wahl soviel Zustimmung erfahren wie dieses Mal», sagte Aiwanger am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Der Bundestagseinzug ist in Griffweite», betonte er.

Die Demoskopen sahen die Freien Wähler, die in Bayern mit der CSU in der Regierung sitzen, auf Bundesebene lange Zeit bei etwa drei Prozent der Stimmen. Eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts YouGov sieht Aiwangers Partei nur noch bei zwei Prozent – deutlich entfernt von der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament.

Aiwanger verwies darauf, dass rund die Hälfte der Wähler in Bayern noch immer unentschlossen sei. «Ich rechne damit, dass ein ordentlicher Anteil davon noch bei uns landen wird», sagte er. Würden die Freien Wähler in Bayern ein zweistelliges Ergebnis erreichen, könne es auf Bundesebene für das Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde reichen.

Der Parteichef rief CSU-Wähler auf, ihre Zweitstimme den Freien Wählern zu geben. Die CSU bringe ihre Kandidaten ohnehin über die Erststimme ins Parlament, die Zweitstimme für die Landesliste ziehe bei den Christsozialen nicht. Deshalb laufe eine Zweitstimme für die CSU ins Leere. Kämen die Freien Wähler ins Parlament, sei eine bürgerliche Koalition ohne die Grünen möglich. «Ansonsten muss sich die CSU die nächsten Jahre in Berlin mit den Grünen herumärgern», sagte Aiwanger.

Der Parteichef hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Aufsehen erregt. Unter anderem hatte sich der bayerische Wirtschaftsminister als einziges Mitglied aus dem Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geweigert, sich gegen Corona impfen zu lassen und diese Entscheidung öffentlich verteidigt. Im Falle eines überraschenden Einzugs seiner Partei in den Bundestag spekuliert er auf eine Beteiligung an einem bürgerlichen Regierungsbündnis für seine Partei und einem Ministeramt für sich selbst.

© dpa-infocom, dpa:210923-99-330373/3