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Vereinigung Cockpit fordert mehr Hilfsangebote für Piloten

Frankfurt/Main (dpa) – Kurz vor Beginn der neuen Drogen- und Alkoholtests für Verkehrspiloten dringt die Vereinigung Cockpit auf deutlich mehr Hilfsangebote. Europaweit sollten neben den Tests kollegiale Unterstützungsprogramme verbindlich vorgeschrieben werden, verlangte die Pilotenvereinigung.

Derartige «Peer-Support-Programme» seien 100 Mal effektiver und ökonomischer als reine Drogen- und Alkoholtestprogramme, sagte VC-Vorstandsmitglied Uwe Harter. An diesem Freitag sollen bei den ersten Airlines Drogen- und Alkoholtests eingeführt werden. Dies geht auf einen Beschluss des Bundestages vom Vorjahr zurück.

Nach Angaben von VC-Sprecher Markus Wahl ist es bei den deutschen Fluggesellschaften nicht gelungen, einheitliche Tarifverträge zu den gesetzlich vorgeschriebenen Tests abzuschließen. Stattdessen werde nun eine Regelung über Betriebsvereinbarungen versucht, die noch nicht in allen Fluggesellschaften vorlägen. Knackpunkte seien unter anderem der Schutz der Piloten vor Konsequenzen nach falschen Ergebnissen, das Anrecht auf eine B-Probe und genaue Regelungen über den technischen Ablauf.

Unmittelbar nach dem vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz des Germanwings-Jets im Frühjahr 2015 hatte sich die VC zunächst gegen Zufallstests ausgesprochen und allein auf die kollegialen Unterstützungsprogramme verwiesen, die beispielsweise bei der Lufthansa seit 30 Jahren erfolgreich liefen. Inzwischen tritt sie dafür ein, neben den Tests die bislang freiwilligen Programme bei allen europäischen Fluggesellschaften verbindlich zu machen. Das hat auch die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA der EU-Kommission empfohlen, die darüber voraussichtlich im Sommer entscheidet.

Die Peer-Programme bieten einen ersten Anlaufpunkt für Piloten bei einer Vielzahl persönlicher Problemlagen, zu denen auch Sucht gehören kann. Hier werden mit Wissen der Fluggesellschaft individuelle Hilfsangebote in Gang gesetzt. Laut VC werden so sehr hohe Rückkehrquoten in den Job von bis zu 95 Prozent erreicht. Im Nachgang müssen sich die geheilten Piloten strengen Kontrollen unterwerfen.