© Daniel Karmann

Verein beklagt gehäufte Asylablehnungen bei Homosexuellen

Nürnberg (dpa/lby) – Gut ein Jahr nach Eröffnung der bundesweit ersten LGBT-Unterkunft für Geflüchtete hat der verantwortliche Verein die Asylpraxis bei Homosexuellen scharf kritisiert. Zuletzt seien vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gehäuft Anträge von Schwulen, Bi- und Transsexuellen abgelehnt worden, obwohl ihnen in der Heimat Verfolgung drohe, sagte Ralph Hoffmann, Vorstand beim schwul-lesbischen Zentrum «Fliederlich» am Montag in Nürnberg.

«Wir schicken damit Menschen, wenn sie hier nicht geduldet werden, im Grunde in den sicheren Tod», sagte Hoffmann. Vom Fall eines homosexuellen Iraners berichtete «Fliederlich»-Geschäftsführer Michael Glas: Der Asylantrag des Mannes sei abgelehnt worden, obwohl ihm wegen seiner sexuellen Orientierung in der Heimat die Todesstrafe drohe.

Eine BAMF-Sprecherin wies die Vorwürfe zurück. Bei Asylverfahren werde immer der Einzelfall geprüft. Flüchtlingsschutz werde gewährt, wenn der Antragsteller glaubhaft mache, dass bei einer Rückkehr in das Herkunftsland wegen einer bestimmten sexuellen Ausrichtung schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen drohten. Dabei spiele auch die Schwere der in der Heimat befürchteten Strafe eine Rolle.

Im Februar 2016 hatte der Verein in Nürnberg eine Unterkunft für Homosexuelle geöffnet – die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Anstoß zu dem Projekt gaben nach Vereinsangaben Kontakte mit homosexuellen Flüchtlingen, die von Schikane und Gewalt in gemischten Unterkünften berichteten. «Fliederlich» betreut aktuell in Nürnberg rund 60 Geflüchtete.