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Proteste begleiten Gespräche über Nationalpark Spessart

Aschaffenburg (dpa/lby) – Kommt der dritte bayerische Nationalpark in den Spessart? Diese Frage bewegt am Freitag die unterfränkische Region und das benachbarte Aschaffenburg – denn dort trifft Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) Bürgermeister und Landräte der Region, um mit ihnen über den Vorschlag zu sprechen. Weitere Kandidaten sind die Rhön und zwei Landkreise an der Donau. Bislang hat Bayern zwei Nationalparks im Bayerischen Wald und den Berchtesgadener Alpen. Dass es einen dritten Nationalpark geben soll, hatte die Staatsregierung im vergangenen Sommer beschlossen.

Befürworter und Gegner eines Nationalparks Spessart haben vor dem Landratsamt in Aschaffenburg gleichermaßen Demonstrationen angemeldet. Der Verein «Wir im Spessart», in dem sich die Gegner versammelt haben, kündigte 600 Demonstranten und eine Sternfahrt mit 200 Traktoren an. Die Befürworter kritisierten den offensiven Protest der Gegner. «Sachlich miteinander reden bringt mehr, als mit Traktoren durch die Stadt zu fahren», erklärte der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz, Norbert Schäffer.

Die Gegner fürchten vor allem eine Einschränkung der Holzindustrie. Die Auseinandersetzung ist grundsätzlicher Natur. «Wir sind generell gegen die Ausweisung eines dritten Nationalparks in Bayern», sagte eine Sprecherin des Verbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie, der den Gegnerverein «Wir im Spessart» unterstützt. Es sei sinnvoller, einen Wald nachhaltig zu bewirtschaften, als ihn in einem Nationalpark sich selbst zu überlassen. «Das Konzept Nationalpark ist nicht mehr zeitgemäß.»

Greenpeace hingegen setzt sich stark für einen dritten Nationalpark ein und begrüßt insbesondere die Möglichkeit, ihn im Spessart zu schaffen. «Aus naturfachlicher Sicht ist der Spessart schon ein Juwel», sagte Waldexpertin Gesche Jürgens. In der Rhön seien viele Gebiete von Kulturlandschaften dominiert, während es im Spessart große Gebiete naturnaher Wälder gebe. Ein Nationalpark bedeute sicherlich Einschränkungen der Holzwirtschaft, doch ein Schutzgebiet umfasse in jedem Fall nur einen kleinen Teil des Spessarts. «Da können Lösungen gefunden werden.» Sie sprach sich für einen offenen und konstruktiven Dialog aus.

Wenn am Ende der Spessart als Standort ausgewählt wird, wird der Nationalpark in den Hochspessart kommen. Das «Main-Echo» hatte am Donnerstag eine Karte veröffentlicht, die den «Flächenvorschlag» des Umweltministeriums an der Schnittstelle der drei Landkreise Miltenberg, Aschaffenburg und Main-Spessart zeigt. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte später, dass der Vorschlag des Ministeriums in diesem Bereich liege. Die genauen Grenzen stünden aber noch nicht fest, es bestehe noch «Spielraum für eine Feinabgrenzung». Deshalb umfasse der Vorschlag 10 900 Hektar Wald, gesetzlich vorgeschrieben für Nationalparks seien aber nur mindestens 10 000 Hektar.