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Nebenklage-Plädoyers im NSU-Prozess verzögern sich erneut

München (dpa) – Die Plädoyers der Nebenkläger im NSU-Prozess verzögern sich erneut um mehrere Wochen und können frühestens am 9. November beginnen. Grund dafür ist wieder ein Befangenheitsantrag, den der als Terrorhelfer angeklagte André E. am Mittwoch ankündigte. Das Gericht unterbrach die Sitzung daraufhin und sagte die Verhandlung am Donnerstag ab. In der kommenden Woche sind wegen der Herbstferien in Bayern keine Termine geplant.

E. hatte den NSU-Prozess in den vergangenen sechs Wochen bereits mit einer Kette von Befangenheitsanträgen lahmgelegt. Planmäßig hätten die Nebenkläger nach der Bundesanwaltschaft plädieren sollen. Deren Schlussvortrag endete am 12. September. Sie forderte darin lebenslange Haft für Beate Zschäpe und je zwölf Jahre für E. und Ralf Wohlleben. E. wurde außerdem in U-Haft genommen.

Die Hauptangeklagte Zschäpe ist nach Überzeugung der Anklage für alle Verbrechen des «Nationalsozialistischen Untergrunds» voll verantwortlich. Dazu zählen zehn Morde. Neun der Opfer waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende, eines die Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn. Der NSU soll außerdem zwei Sprengstoffanschläge in Köln mit zahlreichen Verletzten verübt haben.