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Nach «Xavier»: Aufräumen bei der Bahn geht weiter

Berlin (dpa) – Drei Tage nach dem zerstörerischen Sturmtief «Xavier» mit mindestens sieben Toten hat sich die Lage im Norden und Osten Deutschlands entspannt – die Folgen sind aber noch deutlich spürbar.

Die Bahn gab am Sonntag immerhin eine weitere Hauptstrecke frei: Die Schäden zwischen Hannover und Bremen waren beseitigt, der reguläre Fahrplan konnte jedoch zunächst nicht eingehalten werden. «Der Betrieb muss erst wieder hochgefahren werden», hieß es.

Die Bahnverbindung Berlin-Hamburg war weiterhin gesperrt. Die Schäden auf der Strecke sollten während des Wochenendes behoben werden. Doch die Bahnreisende müssen auch zum Wochenstart noch Geduld mitbringen. Von Berlin aus in Richtung Hamburg müssten die Züge weiter über Stendal und Uelzen umgeleitet werden, sagte ein Bahnsprecher.

In die umgekehrte Richtung sollte die Strecke jedoch am Montagmorgen wieder freigegeben werden, von 6 Uhr an sollten die ersten Züge eingleisig fahren. Auch die Strecken Hannover-Magdeburg und Osnabrück-Hamburg sollten im Laufe des Montags sukzessive geöffnet werden.

Auf der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Berlin und Hannover rollen die Züge seit Samstag wieder. Inzwischen kämen Reisende mit der Bahn wieder in alle Himmelsrichtungen voran, so ein Bahnsprecher. «Wenn auch nicht immer auf dem gewohnten Weg.» Im Nahverkehr sei ein Großteil der Strecken wieder befahrbar. An den Bahnhöfen habe sich die Situation ebenfalls deutlich entspannt. Die Fahrgäste informierten sich in der Regel gut vor Reisebeginn.

Nach knapp 70 Stunden hob die Berliner Feuerwehr den wegen «Xavier» ausgerufenen Ausnahmezustand auf. «Es ist geschafft!!! Um 13.22 Uhr konnte der Ausnahmezustand Wetter beendet werden», hieß es am Sonntagnachmittag via Twitter. Mehr als 3000 Einsätze hätten die Kräfte von Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Feuerwehr und Technischem Hilfswerk abgearbeitet. Dank ging an die Berliner für ihre Geduld, vor allem aber an die eingesetzten Kollegen: «Ihr habt in den letzten knapp 70h Großartiges geleistet.»

Das Orkantief «Xavier» war am Donnerstag mit bis zu 122 Stundenkilometern über Nord- und Ostdeutschland hinweggezogen. Der Sturm hatte zahlreiche Bäume umgestürzt oder abgeknickt. Sieben Menschen kamen ums Leben.

Insgesamt hatten umgekippte Bäume und heruntergerissene Äste nach Angaben der Bahn an mehr als 500 Stellen Schäden angerichtet. Mehr als 1000 Kilometer seien betroffen gewesen. Die Bahn hoffte, dass die Aufräumarbeiten größtenteils Anfang der neuen Woche abgeschlossen sind, wie eine Sprecherin zur Deutschen Presse-Agentur sagte.

Trotz der Organisation von Hotelzügen oder dem Verteilen von Taxigutscheinen wurde das Krisenmanagement der Deutschen Bahn vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert. «Es hat einfach an Informationen gefehlt», sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der «Passauer Neuen Presse».

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bemängelte die Kommunikation der Bahn. «Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information, und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren», erklärte der stellvertretende Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel in Frankfurt am Main. Zumindest am Tag nach dem schweren Sturm über Norddeutschland hätte das möglich sein sollen.

Der Bahnsprecher verwies auf die im Internet veröffentlichte Karte zu Einschränkungen im Netz. Diese sei immer auf dem aktuellen Stand. Angesichts der Masse an Informationen seien Hinweise über Twitter möglicherweise nicht der beste Weg.

Die Wetteraussichten für Deutschland sind einigermaßen beruhigend: Neue Regenwolken sorgen zwar für einen trüben und windigen Start in die Herbstwoche, zumindest droht nach Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach aber kein neuer Sturm wie «Xavier».

Auch die Hoffnung auf einen «Goldenen Oktober» haben die Meteorologen noch nicht aufgegeben. Eventuell könnte es am nächsten Wochenende soweit sein, erklärte Wetterexperte Robert Hausen am Sonntag. Bis dahin wird es die Woche über vielerorts eher ungemütlich. Dies gelte vor allem für den Norden und die Mitte Deutschlands, so der DWD.