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IG Metall sieht 35-Stunden-Woche ausgehöhlt

Neustadt (dpa/lby) – Die 35-Stunden-Woche steht nach Einschätzung der IG Metall für die meisten Branchenbeschäftigten in Bayern nur auf dem Papier. «Im Durchschnitt arbeitet ein Beschäftigter in der Metall- und Elektroindustrie heute tatsächlich über 39 Stunden, obwohl wir die 35-Stunden-Woche im Tarifvertrag haben», sagte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler am Freitag in Neustadt an der Donau.

Die IG Metall habe in Bayern fast 150 000 Beschäftigte befragt. Das Ergebnis sei, «dass nur 16 Prozent der Befragten tatsächlich auch 35 Stunden arbeiten», sagte Wechsler und kündigte an: «Darauf sollten wir reagieren.» Überstunden, betriebliche Ergänzungstarifverträge und eine Quotenregelung im Flächentarifvertrag führten zu viel längeren Arbeitswochen. Jetzt wolle die IG Metall die 35-Stunden-Woche stärker durchsetzen.

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft hielt dagegen, gut 70 Prozent der Beschäftigten seien mit ihrer Arbeitszeit zufrieden, auch dank flexibler Arbeitszeiten über Arbeitszeitkonten. «Das starre Festhalten der IG Metall an der 35-Stunden-Woche steht im Widerspruch zu ihrer Forderung nach mehr Selbstbestimmung der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeit» sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Auch Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) plädierte für flexiblere Arbeitszeiten. Das sei der Wunsch der Unternehmen und auch vieler Arbeitnehmer. «Wir müssen daher die aktuelle Arbeitszeitgesetzgebung anpassen», sagte Müller. Wichtig sei dabei ein ausgewogener Kompromiss.