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«Fall Kalinka»: Stiefvater entführt und verurteilt

Straßburg (dpa) – Im deutsch-französischen Justizkrimi um den Tod des Mädchens Kalinka wird der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte heute in Straßburg eine Entscheidung verkünden. Es geht darum, ob Dieter K., der deutsche Stiefvater der Toten, in Frankreich verurteilt werden durfte. Der über 80 Jahre alte Mediziner sitzt bis heute in Frankreich im Gefängnis und sieht dadurch seine Menschenrechte verletzt.

Die 14 Jahre alte Französin Kalinka war 1982 tot im Haus von K. in Lindau am Bodensee gefunden worden. Die deutsche Justiz stellte Ermittlungen gegen den Arzt aus Mangel an Beweisen ein. Der leibliche Vater von Kalinka ließ K. aber nach Frankreich entführen, wo er zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Die französische Justiz sah es als erwiesen an, dass der Stiefvater das Mädchen sexuell missbrauchen wollte und ihr ein Beruhigungsmittel sowie eine tödliche Spritze gab.

K. wehrt sich vor den Straßburger Richtern gegen diese Verurteilung. Er sieht dadurch sein Recht verletzt, wegen derselben Strafsache nicht zweimal vor Gericht gestellt zu werden. Sollte er Recht bekommen, müsste er nach Angaben einer Gerichtssprecherin freikommen.