© Angelika Warmuth

Deutlicher Rückgang bei Stalking-Fällen in Bayern

München (dpa/lby) – Ständig beobachtet und verfolgt oder mit endlos wiederkehrenden Telefonanrufen terrorisiert: Mehr als 1200 Stalking-Fälle sind im Jahr 2016 in Bayern erfasst worden. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken – einer Statistik des Landeskriminalamts in München zufolge gab es seit 2012 einen Rückgang um rund 30 Prozent; damals gab es noch etwa 1800 Fälle. Vor acht Jahren lag die Zahl sogar bei mehr als 2100 Fällen.

Etwa 91 Prozent der registrierten Stalking-Fälle aus dem Jahr 2016 konnten aufgeklärt werden. Dabei sind es vor allem Männer, die stalken: Nicht mal 20 Prozent der insgesamt gut 1000 Tatverdächtigen waren Frauen. Knapp 80 Prozent waren Deutsche. Auffällig ist, dass knapp die Hälfte der Vorfälle in kleineren Kommunen von weniger als 20 000 Einwohnern verübt wurden.

«Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus», sagt Kripo-Expertin Iris Ohain vom Münchner Kommissariat für Prävention und Opferschutz. Am häufigsten sei das Stalking durch Ex-Partner – das sei deshalb so gefährlich, weil die Täter ihr Opfer kennen und wissen, wo es sich aufhalte.

Nachstellen sei kein einmaliges Delikt, sondern ein Prozess, warnt die Expertin. «Die Opfer lassen sich das sehr lange gefallen» – im Schnitt mehr als zwei Jahre, sagt Ohain mit Verweis auf eine wissenschaftliche Studie. Wichtig sei es deshalb vor allem, seinem Stalker gleich zu Beginn unmissverständlich klarzumachen, dass man keinen Kontakt wolle – «jetzt und für die Zukunft».

«Wir raten absolut zur Anzeige.» Danach hörten die Belästigungen in der Regel auf. Betroffenen rät Ohain zudem, ihre Telefonnummer zu ändern und vor allem das Umfeld zu informieren: «Bleiben Sie nicht alleine.» Selbst wenn es nach außen nicht so schlimm wirke – «die Empfindung des Opfers zählt».

Die Gründe für den Rückgang der Zahlen kennt die Polizei nicht. Eine Rolle könnte die große Medienaufmerksamkeit Anfang des Jahres spielen, als eine Gesetzesänderung Stalking vom sogenannte Erfolgsdelikt zum Gefährdungsdelikt machte, vermutet Ohain. Seither gilt es bereits als Stalking, wenn das Opfer gefährdet ist – sein Leben aber noch nicht zwingend beeinträchtigt ist. Zudem könnte die verstärkte Polizeiarbeit in diesem Bereich ein Grund für den Rückgang sein, vermutet die Kriminalhauptkommissarin.

Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) sagte dazu: «Diese Gesetzesänderung, für die Bayern seit Jahren gekämpft hatte, war richtig und wichtig.» Es könne aber noch mehr getan werden, um die Opfer zu schützen, beispielsweise mit der Anwendung der elektronischen Fußfessel bei Stalking-Delikten. Gerichtlich ausgesprochene Näherungsverbote könnten damit besser überwacht werden. «Und das Bewusstsein, dass der Täter eine Fußfessel trägt, kann den Stalker abschrecken und das subjektive Sicherheitsgefühl der Opfer verbessern», sagte Bausback.