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CSU analysiert Wahlausgang

München (dpa/lby) – Die CSU-Spitze will am Montag das Debakel bei der Bundestagswahl analysieren und über mögliche Konsequenzen beraten. Parteichef Horst Seehofer hat am Sonntagabend einen harten Kurs in den Koalitionsverhandlungen in Berlin angekündigt. Mit einer offenen Revolte gegen Seehofer wird parteiintern nicht gerechnet, obwohl der 67-Jährige das schlechteste CSU-Bundestagswahlergebnis seit 1949 zu verantworten hat. Mit Blick auf die bayerische Landtagswahl in einem Jahr riefen CSU-Spitzenpolitiker zu Geschlossenheit auf.

Die CSU war am Sonntag nach Auszählung aller Wahlkreise auf nur noch 38,8 Prozent abgestürzt. Das bedeutet ein dramatisches Minus von mehr als zehn Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 (49,3 Prozent). Die CSU gewann aber alle 46 Direktmandate im Freistaat.

Der Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld erwartet nun ein hartes Auftreten der Partei in Berlin. «Die CSU wird ein ganz schwieriger Partner in der Bundesregierung sein, schwieriger als bisher», sagte Weidenfeld der Deutschen Presse-Agentur. Die Partei sei in einem Schockzustand, ausgelöst durch die eigenen Verluste und das gute AfD-Ergebnis. Ein Jahr vor der Landtagswahl werde die CSU versuchen, durch Profilierungsversuche in Berlin Boden gut zu machen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Revolte gegen Seehofer schätzt Weidenfeld als sehr gering ein. «Putschgefahr sehe ich nicht», sagte der Politikwissenschaftler. «Das wäre für die CSU viel zu riskant.» Er verwies auf die schlechten Erfahrungen der CSU nach dem Sturz des früheren Parteichefs Edmund Stoiber 2008. Durch den nahen Termin der Landtagswahl werde eine Parteidisziplin diktiert, die es ansonsten nicht gäbe. «Wäre die Landtagswahl weiter weg, wäre es unruhiger.»

Die SPD sackte in Bayern nach Auszählung aller Wahlkreise auf 15,3 Prozent (2013: 20,0) ab. Auf dem dritten Platz landete auch in Bayern die AfD mit 12,4 Prozent (2013: 4,3). Auch die FDP legte deutlich zu: von 5,1 Prozent auf 10,2 Prozent. Die Grünen verbesserten sich von 8,4 auf 9,8 Prozent, die Linke von 3,8 auf 6,1 Prozent. Die Freien Wähler stagnierten bei 2,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag im Freistaat mit 78,2 Prozent deutlich über der von 2013 (70,0 Prozent).