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Anwalt: Zschäpes Führung in der JVA zum Beweisthema machen

München (dpa) – Einer der Verteidiger der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe will das Verhalten seiner Mandantin in der Untersuchungshaft zum Beweisthema machen. Dabei gehe es «um eine Zeugenbefragung», sagte Rechtsanwalt Hermann Borchert am Dienstag vor dem Oberlandesgericht in München. Er deutete an, dass er eine Bedienstete der Justizvollzugsanstalt Stadelheim anhören will, wo Zschäpe untergebracht ist.

Borchert äußerte seine Absicht während der Befragung des psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß. Dabei fragte er den Gutachter, ob es für ihn und seine Beurteilung der Angeklagten «relevant» sei, wenn eine «Bedienstete der JVA» sich über Zschäpe äußere. Saß antwortete, er «verneine das nicht». Grundsätzlich gelte: «Je mehr Informationen, desto sicherer die Beurteilungsgrundlage». Der Anwalt sagte, in Zschäpes Gefängnisakte finde sich nach fünf Jahren U-Haft kein Eintrag über Disziplinarmaßnahen.

Borchert hatte zuvor Saß‘ Einschätzung bezweifelt, Zschäpe könne sich auch künftig einer rechtsradikalen Gruppe anschließen und sei möglicherweise immer noch gefährlich. Er vermisse Ausführungen des Gutachters dazu, dass sich Zschäpe nach dem Selbstmord ihrer beiden mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt der Polizei stellte und nicht bei Gesinnungsgenossen versteckte.

Zschäpe ist vor dem Oberlandesgericht München wegen der zehn überwiegend rassistisch motivierten Morde und zwei Sprengstoffanschläge des «Nationalsozialistischen Untergrunds» angeklagt.